A. Lange & Söhne erinnert an Günter Blümlein, 25 Jahre nach seinem Tod
Ohne ihn gäbe es A. Lange & Söhne nicht mehr, sagte Walter Lange einst. Die Manufaktur blickt zurück auf den Strategen hinter ihrer Rückkehr nach Glashütte.

Günter Blümleins Tourbillon Pour le Mérite, Nummer 1/50. Foto: A. Lange & Söhne
Wenn von der Wiedergeburt von A. Lange & Söhne erzählt wird, fällt meist zuerst der Name Walter Lange. Die sächsische Manufaktur möchte, dass ein zweiter Name im selben Atemzug genannt wird. Fünfundzwanzig Jahre nach dem plötzlichen Tod von Günter Blümlein am 1. Oktober 2001 würdigt A. Lange & Söhne den Mitbegründer, der mit Walter Lange das Unternehmen nach der Wiedervereinigung zurück an die Spitze der internationalen Feinuhrmacherei führte.
Auf einen Blick
- Günter Blümlein, 1943 in Nürnberg geboren, gestorben am 1. Oktober 2001
- Belebte A. Lange & Söhne 1990 gemeinsam mit Walter Lange wieder
- Erste vier Uhren der Neuzeit am 24. Oktober 1994 in Dresden: Lange 1, Tourbillon Pour le Mérite, Arkade, Saxonia
- Datograph 1999, Double Split 2004 mit der ersten eigenen Unruhspirale
- Bronzerelief von Beat Künzler im Manufakturgebäude Lange II seit 2002
Der Stratege aus Nürnberg
Blümlein kam 1943 in Nürnberg zur Welt und studierte Feinwerktechnik. Seine Laufbahn begann beim Diehl-Konzern, der in den 1950er-Jahren die Uhrenfabrik Junghans übernommen hatte, und schon bald übernahm er leitende Aufgaben in Marketing und Vertrieb. Später übertrug ihm VDO, die spätere Mannesmann-Tochter, die Neuausrichtung von IWC und Jaeger-LeCoultre, zwei Marken unter dem Dach der Holding Les Manufactures Horlogères (LMH). Wie weite Teile der Schweizer Uhrenindustrie litten beide unter den Folgen der Quarzkrise. Mit strategischem Weitblick und konsequenter Markenführung trug Blümlein maßgeblich zur Renaissance der mechanischen Schweizer Uhr bei.
Walter Lange, Urenkel des Gründers Ferdinand Adolph Lange, sagte es ohne Umschweife: „Ohne Günter Blümlein gäbe es A. Lange & Söhne nicht mehr.“ Nach mehr als vierzig Jahren Zwangspause belebten die beiden die Marke 1990 neu und etablierten die sächsische Feinuhrmacherei ein zweites Mal in Glashütte.

Der 24. Oktober 1994
Der Plan war, auf der Geschichte des Hauses aufzubauen. Die Qualität der historischen Lange-Taschenuhren sollte das Fundament einer Marken- und Produktphilosophie bilden, in deren Mittelpunkt die Handarbeit steht. Blümlein fasste das Konzept in einem Satz zusammen: „Eine Lange-Uhr ist ein Gesamtkunstwerk.“
Am 24. Oktober 1994 wurden im Dresdner Residenzschloss die ersten vier Lange-Armbanduhren der Neuzeit vorgestellt. Am stärksten trug die Lange 1 mit ihrem dezentralen Zifferblatt und dem Großdatum zum Aufstieg bei. Dazu kamen das Tourbillon Pour le Mérite mit Antrieb über Kette und Schnecke sowie die Modelle Arkade und Saxonia. Die Uhr oben auf dieser Seite ist Blümleins eigenes Tourbillon Pour le Mérite mit der Limitierungsnummer 1/50.

Datograph und Double Split
1999 folgte der Datograph. In einer Zeit, in der selbst entwickelte und gefertigte Chronographenwerke die Ausnahme waren, setzte sein Manufakturkaliber neue Maßstäbe. 2004 kam der Double Split, der erste Chronograph mit Doppel-Rattrapante in der Geschichte der Feinuhrmacherei. Ein zweiter Minutenzähler verlängerte die Zwischenzeitmessung von 60 Sekunden auf 30 Minuten. Zugleich war er das erste Modell mit einer im eigenen Haus entwickelten und gefertigten Unruhspirale, die Grundlage für die Unabhängigkeit der Manufaktur bei neuen Werken. Die Präsentation erlebte Blümlein nicht mehr.
Ein Relief in der Manufaktur
Im Manufakturgebäude Lange II erinnert ein Bronzerelief an ihn. Das Werk des Schaffhauser Künstlers Beat Künzler wurde nach seinem Tod in Auftrag gegeben und zum ersten Todestag 2002 enthüllt. Hinter seinem Bildnis ist das Zifferblatt der Lange 1 zu sehen. „Walter Lange war das Herz, Günter Blümlein das Hirn hinter A. Lange & Söhne“, sagt CEO Wilhelm Schmid.

Was bleibt
Die Philosophie, die beide damals festlegten, prägt das Haus bis heute. A. Lange & Söhne fertigt pro Jahr nur wenige Tausend Armbanduhren, überwiegend aus Gold oder Platin, jede mit einem im eigenen Haus entwickelten, von Hand dekorierten und montierten Werk. Seit 1990 sind 77 eigene Kaliber entstanden. Wenn Sie Uhren aus Edelmetall sammeln, ist das vielleicht der greifbarste Teil von Blümleins Vermächtnis.

